
Prostatakrebs
Können Penisnerven wieder zusammenwachsen?
Das Prostatakarzinom ist bei Männern über 50 Jahren der zweithäufigste Tumor. Die Chance auf Heilung ist zwar gut, wenn die Behandlung rechtzeitig erfolgt, doch eine Komplikation ist meistens die Impotenz. Möglicherweise lassen sich die beschädigten Penisnerven allerdings zukünftig mit Hilfe von millimeterdünnen Kollagenkanälen aus der Petrischale reparieren.
Beim Krebs der männlichen Vorsteherdrüse besteht insbesondere im frühen Stadium eine gute Chance auf Heilung, wenn der Tumor vollständig mittels Operation (radikale Prostataektomie) oder Bestrahlung entfernt wird. Beide Behandlungen können jedoch als Komplikation den Verlust der sexuellen Potenz zur Folge haben. Der Grund: Die Nerven, die die Erektion kontrollieren, liegen in der Nähe der Prostata und werden bei den Eingriffen häufig verletzt. Die Ärzte können zwar versuchen - je nach Stadium und Lage des Tumors - nervenerhaltend zu operieren, dennoch haben selbst bei schonenden Eingriffen mehr als ein Drittel der Männer anschließend Probleme mit der Potenz.
Künstliche Kollagenkanäle fördern Nervenregeneration im Penis
Nach neuesten Studien lassen sich zwar auch diese Erektionsstörungen oft mit Hilfe moderner Potenztabletten bessern, sofern noch Nerven erhalten sind, doch generell ist die Behandlung dieser Art der Impotenz nicht einfach. Daher haben US-amerikanische Forscher versucht, das Wachstum der zerstörten Nerven gezielt wieder anzuregen. Dr. Anthony Atala und Kollegen von der Children's Hospital and Harvard Medical School in Boston, Massachusetts, war es in früheren Untersuchungen bei Kaninchen bereits gelungen, bestimmte Penisteile durch Muskel- und Hautgewebe aus dem Labor zu ersetzen. Für ihren aktuellen Versuch, den sie auf einer Urologentagung in Chicago, USA, vorstellten, haben sie künstlich millimeterdünne Kollagenkanäle hergestellt. Auf diese Weise wollten sie Führungskanäle aus natürlichem Bindegewebe züchten, die zum einen das gerichtete Zusammenwachsen der zerstörten Nerven ermöglichen und zum anderen nicht vom Körper als fremd erkannt und abgestoßen werden.
Um den Nutzen ihrer Kollagenkanäle zu überprüfen, durchtrennten die Wissenschaftler bei Ratten die Penisnerven und teilte die Tiere in drei Gruppen ein. Der ersten Gruppe setzten sie in einer Operation die künstlich erzeugten Röhrchen an die Stellen ein, wo die Nerven durchtrennt worden waren. Der zweiten Gruppe wurden zum Vergleich körpereigene Nerven transplantiert und die dritte Gruppe erhielt schließlich keine Behandlung. Nach drei Monaten hatten sich in den Kollagenkanälen bereits zentimeterlange Nervenfortsätze entwickelt. Das Wachstum entsprach dem der verpflanzten körpereigenen Nervenzellen in der zweiten Gruppe. In der nicht behandelten, dritten Gruppe hatte sich das Nervengewebe hingegen nicht wieder regeneriert.
Lässt sich der gesamte Penis künstlich herstellen?
Mit Hilfe dieser neuen Technik lassen sich in Zukunft demnach vielleicht Erektionsstörungen behandeln, die darauf zurückzuführen sind, dass die Penisnerven entfernt oder zerstört wurden. Doch Atala und seine Kollegen gehen noch weiter. Sie haben sich zum Ziel gesetzt, eines Tages den gesamten Penis durch so genanntes Tissue engineering zu rekonstruieren - d.h. durch das künstliche Züchten der unterschiedlichen Penisbestandteile im Labor. Bis sie dieses Ziel tatsächlich erreichen, können nach eigenen Angaben jedoch noch bis zu zehn Jahre vergehen.






